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Bunkerhotel in Stuttgart

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Artikel vom 31.08.2010 © Eßlinger Zeitung

Selbst OB Klett nächtigte unter dem Marktplatz

Der Verein Schutzbauten hat Teile aus dem Gästebuch des früheren Bunkerhotels aufgespürt.

Stuttgart - Das Bunkerhotel unter dem Stuttgarter Marktplatz war früher eine gefragte Adresse für Gäste aus der ganzen Welt. 80 Prozent betrug die Auslastung in den Zimmern - eine Quote, von der Hoteliers heute nur noch träumen können. Vor 25 Jahren gingen in der wohl kuriosesten Übernachtungsmöglichkeit unwiderruflich die Lichter aus. Das Interesse an der Geschichte des Bunkers ist allerdings nicht erloschen.

Zunächst lief für Willy Schäffer alles nach Plan. Am 25. Juli 1945 teilte der Stuttgarter der Stadtverwaltung mit, dass er den leerstehenden Bunker unter dem Marktplatz pachten wolle. Dort werde er einen einfachen Übernachtungsbetrieb einrichten, ausgestattet mit ehemaligen Luftschutzbetten und Strohsäcken. Stuttgarts Oberbürgermeister Arnulf Klett stimmte dem Antrag zu. Allerdings machten die Alliierten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. „Bei der Entnazifizierung stellte sich heraus, dass Schäffer als ehemaliger Angehöriger der Polizei vorbelastet war“, sagt Paul Zielfleisch. Und so fiel die Wahl auf die Familie Zeller, deren Tochter Hannelore den Betrieb bis zu seiner Schließung vor 25 Jahren führte.

Zielfleisch, der Vorsitzende des Vereins Schutzbauten Stuttgart, hat sich viel mit dem Bunker unter dem Marktplatz und seiner Geschichte befasst. Schließlich gibt es immer weniger Zeitzeugen, die noch dazu befragt werden können. Dennoch gelang es ihm in den letzten Jahren immer wieder, das eine oder andere unbekannte Detail zutage zu fördern. „Bislang ging man davon aus, dass das Hotel im Sommer 1945 eröffnet wurde. Tatsächlich war es der 20. Dezember 1945.“

Die Pacht betrug monatlich mindestens 800 Reichsmark, pro Übernachtung mussten 40 Reichspfennig abgegeben werden. Und es gab noch eine weitere Auflage für die Konzession: Bis 22 Uhr mussten für die amerikanischen Soldaten 24 Zimmer bereit gehalten werden. „Das entsprach einem kompletten Gang.“ Bereits eine Stunde vorher bildeten sich deshalb vor dem „Hotel am Rathaus“ - so der offizielle Name - lange Schlangen von Menschen, die hofften, eines der unbelegten Zimmer zu ergattern. „Es war für viele damals die einzige Möglichkeit, in Stuttgart zu übernachten.“ Zudem war die Übernachtung in dem Bunker günstiger als ein Taxi nach Hause. Wer die letzte Straßenbahn verpasst hatte, nahm sich ein Zimmer. 1946 kostete der Schlafplatz 4,40 Reichsmark, 1949 waren es 5,75 D-Mark. 60 Sitzplätze gab es im Empfangs- und Frühstücksraum, Kaufleute mieteten die Räume zum Feiern. Es sei ein „gepflegtes, unterirdisches Hotel“, teilte eine Illustrierte in den 50er-Jahren ihren Lesern mit. „Man weiß niemals, wie das Wetter ist, wenn man aufsteht, doch wer hat heute noch so viel Garderobe, sich nach dem Wetter richten zu können.“

Auch Stuttgarts OB Arnulf Klett war in dem Hotel ein gerngesehener Gast. Dem Vernehmen nach nahm er den Betrieb vor allem dann in Anspruch, wenn er zu tief ins Glas geschaut hatte. Aber auch sonst konnte sich die Gästeliste sehen lassen: Schauspieler wie Hans Albers und Margot Hielscher nächtigten hier, die Rotarier waren Stammgäste, sogar der Donkosaken-Chor bevorzugte das unterirdische Matratzenlager. Schriftsteller Wolfgang Koeppen schrieb 1953 in einem sechs Quadratmeter großen Zimmer mehrere Wochen lang an seinem Roman „Das Treibhaus“. Gattin Marion beschrieb er damals die Nachteile seiner Unterkunft wie folgt: „Das Neonlicht strengt beim Schreiben die Augen an. Die Luft ist immer etwas dumpf. Das Geklapper der Maschine hallt von den Betonwänden des Bunkers laut zurück.“

Bei ihren Recherchen nahmen die Vereinsmitglieder Kontakt zu Marianne Kresse auf - der Schwester von Marianne Zeller. Mit ihrem Mann Fritz hatte sie zunächst ebenfalls im Hotel gearbeitet, zog sich nach zwei Jahren aber zurück und eröffnete ihren eigenen Betrieb. „Sie hatte einige Seiten aus dem einstigen Gästebuch herausgerissen und in ein Album geklebt.“ Die Seiten geben Aufschluss über weitere prominente Gäste: So schliefen das einstige Wunderkind Gerhard Taschner, die Wagner Sopranistin Marta Fuchs, Fliegerin Elly Beinhorn, Fußballer Kalli (Karl) Barufka, Generalleutnant Hannes Trautloft, Komponist Peter Igelhoff („In meiner Badewanne bin ich Kapitän“) und Kabarettist Werner Paul Fink unter der Erde.

Das Ende des Bunkerhotels kam 1985: Die Toilettenanlagen und Abwasserleitungen müssten erneuert, die Elektroinstallationen ausgetauscht werden, beanstandete das Baurechtsamt. 700 000 Mark waren dafür notwendig. Zu viel für die Betreiberfamilie. Und so gingen im Bunkerhotel vor 25 Jahren unwiderruflich die Lichter aus.

Das aktualisierte Heft über das Bunkerhotel am Marktplatz sowie ein Auszug aus dem Gästebuch als Einleger können beim Verein Schutzbauten Stuttgart gegen eine Schutzgebühr bestellt werden. Informationen gibt es im Internet unter www.schutzbauten-stuttgart.de .

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